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<< PreviousNext >> Kolejna doskona³a recenzja !! 11.10.2004 Autor: Motion Team Translate: Arch.
"FRANKFURTER ALLGEMAINE ZEITUNG" o koncercie MT w Brotfabrik !!
 | | photo Arch. |
01.10.2004 Norbert Krampf | FAZ
Nie gehörte Töne
Akkordeon-Experimente des Motion Trios in der "Brotfabrik"
"Den Traditionalisten des Akkordeons gehen die Ideen aus. Unser Ziel ist es, dem Instrument nie gehörte Töne zu entlocken", sagt Janusz Wojtarowicza, der kreative Kopf des Motion Trios. An Selbstbewußtsein fehlt es dem 1971 geborenen Komponisten und Virtuosen nicht: "Andere Instrumente sind ausgereizt, das Akkordeon wird erst jetzt entdeckt und experimentell gespielt." Den starken Worten folgen Taten, das zeigen schon wenige Takte des klassisch ausgebildeten Triumvirats aus Krakau. Die scheinbar längst durchschauten "Schifferklaviere" sprechen hier wirklich eine neue Sprache, lautmalerisch, sogar mit Akzenten völlig anderer Instrumente. Um diese Vielfalt zu entwickeln, nutzen die souveränen Musiker statt Computer-Tricks nur ihre Fingerfertigkeit und ihren kaum begrenzten Ideenreichtum.
Ausgeprägter Gestaltungswille, heimliche Zitierfreude und frappierende Stilsicherheit bestimmen das Repertoire des Trios. Im ruhigen Teil dieses Konzerts im ausverkauften großen Saal der "Brotfabrik" verdichten die Musiker Spannung subtil durch Nuancen und erweisen auch der strukturierten Strenge von Johann Sebastian Bach ihre Reverenz. Später wird es rhythmischer und energischer, klingen neben einer unvermeidlichen Hommage an den Tango Nuevo klassische Moderne, der Ferne Osten oder der finnische Akkordeon-Revoluzzer Kimmo Pohjonen an. Sprunghafte Unisonos zerfallen zu individuellen Stimmen: Eine stoische Phrase steckt in einer Endlosschleife, über nadelfeine Harmonien des zweiten Akkordeons erhebt sich ein Solo des dritten, das bald unversehens mit dem ersten die Rolle tauscht.
Ein wenig "polnische Seele" schimmert in tragikomischen, nie melodramatischen Momenten durch, folkloristische Assoziationen sind indessen so rar wie Polka-Takte. Ähnlich vermeintlich bekannten anderen Motiven leuchten sie mitunter trügerisch auf, um gleich wieder im Meer lange stehender Noten und stakkatoartiger Wellen abzutauchen. Überlagerungen und Abwandlungen repetitiver Strukturen wecken Erinnerungen an Minimalisten, ein Werk scheint das hypnotische Gespinst von Steve Reichs "Music for 18 Musicians" zu abstrahieren. Meisterhaft spielt das Trio mit suggestiven Klängen. In hohen Lagen verwandeln sich die Akkordeons in Streicher, zuweilen klingen sie wie klassische Holzbläser, dann dröhnen gravitätische Bässe wie die einer Orgel.
Fast beiläufig zitieren die Musiker Sounds ihrer Generation von Techno bis Gameboy und umgehen auch hier traumwandlerisch sicher Platitüden. Nicht ohne Grund also sammelt das Trio internationale Auszeichnungen, obwohl seine Präsenz kaum dem Stereotyp studierter Musiker entspricht. Als Janusz Wojtarowicza 1996 das Ensemble gründete, war Pawel Banarek gerade achtzehn Jahre alt, der Dritte im Bunde, Marcin Galazyn, immerhin schon 21. Konsequent setzt das Motion Trio in erster Linie auf die eigene Inspiration. Die Perfektion und Brillanz, mit denen sie kleinteilige Motive nahtlos durchreichen, Melodie- oder Basslinien synchronisieren, Solos mit Dissonanzen aufladen und gleichzeitig mit romantischen Harmonien grundieren oder jähe Tempowechsel exekutieren, verraten konsequente Arbeit.
In der von Frankfurt und der polnischen Partnerstadt organisierten Reihe "Krakau am Main" bei den Polnischen Kulturtagen der EZB repräsentiert das Motion Trio die junge, progressive Musikszene. Es setzt wie manche renommierten polnischen Jazzer auch außerhalb seiner Heimat Maßstäbe, selbst wenn sein jetzt veröffentlichtes Studio-Album "Pictures From The Street" etwas traditioneller klingt als das großartige Konzert, dessen Zauber selbst distinguierte Zuschauer zu Ovationen hinriß.
(c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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