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Recenzje: Motion Trio: Sacrum & Profanum / Jazzzeit 17.10.2003 Autor: Manfred Horak / Jazzzeit T³umaczenie: Manfred Horak / Jazzzeit Die drei Burschen spielen wirklich phantastisch. Die Farben, die sie mit ihrem Spiel erzeugen, sind äußerst ungewöhnlich. Sie achten auf jede Nuance, sie wissen, was sie zu tun haben und bewahren immer ihre Eigenständigkeit.
Ihr Spiel ist geprägt von Schmerz, Wissen, Charisma und Leidenschaft..." Wer da so über das Motion Trio schwärmt ist niemand Geringerer als der gegenwärtige Hans Koller-Preisträger des European Jazz Price – der polnische Trompeter Tomasz Stanko. Im Jahr 2002 spielte das Motion Trio in der Gustav Adolf-Kirche, am 13. März 2003 statten die drei Akkordeonisten im Rahmen des Akkordeonfestivals Wien erneut einen Besuch ab – aufgrund des außerordentlichen Vorjahreserfolges wagen die Veranstalter diesmal den Weg in die doch beträchtlich größere Votivkirche. Standing Ovations war der gerechte Publikumslohn für ihre Kirchenperformance im März 2002. Sie ließen ein enthusiastisches Publikum zurück und ein Kirchenschiff mit geballter Ladung an positiver Energie. Sie – das sind Janusz Wojtarowicz, Pawel Baranek und Marcin Galazyn. Janusz Wojtarowicz ist der Gründer und Leader des impulsiven Trios, der auch für den Großteil der Kompositionen verantwortlich ist, und seit seinem 7. Lebensjahr Klavier- und Akkordeonunterricht erhielt. Pawel Baranek gilt als einer der besten Akkordeonisten der jungen Generation in Europa und begann im Alter von 9 Jahren mit Akkordeon- und Orgelunterricht. Marcin Galazyn griff erstmals im 7. Lebensjahr zum Akkordeon und ist – wie auch die beiden anderen – Preisträger von etlichen Akkordeonwettbewerben. Das Besondere am Motion Trio ist das Kreieren eines tatsächlich innovativen Akkordeonsounds. Das polnische Trio verzichtet auf sämtliche Behelfsmittel elektronischer Art, beginnen quasi dort, wo ein Kimmo Pohjonen aufhört. "Andere Instrumente wie Geige, Gitarre, Klavier wurden auf ihre Art bereits ausgereizt," so Janusz Wojtarowicz, "da kann nicht mehr wirklich viel Neues entstehen. Ganz anders beim Akkordeon. Das wird jetzt erst so nach und nach entdeckt und experimentell gespielt. Die Akkordeon-Traditionalisten sind erschöpft und unser Ziel ist es, nie gehörte Töne dem Akkordeon zu entlocken. Vollkommen neue Sounds und Formen zu entwickeln, und diese auf CD - und natürlich auch live - umzusetzen. Live bedeutet unser Spiel eine besondere Herausforderung, denn im Studio kann man in gewisser Weise schummeln, nicht jedoch während eines Konzerts." Sie sind also Handwerker. Handwerker, die jederzeit zur Überschreitung allfälliger Grenzen im akkordeonistischen Spiel fähig sind. Handwerker, die Soundcollagen mit drei akustisch gespielten Akkordeons ausatmen, wofür andere Unmengen an Equipment benötigen. Hört euch nur mal "Chechnya – Sounds of War" oder "Stars" an und danach ein x-beliebiges Album von Pink Floyd oder Brian Eno. Kein Wunder, dass Bobby McFerrin mit dem Motion Trio bereits konzertierte, denn diese musikalische Begegnung ist für beide eine besonders lohnende Herausforderung, sei es im Improvisations- oder Collagenbereich. Stimmung schaffen, auf den Veranstaltungssaal eingehen und die berühmte Reise antreten. Bei Motion Trio erhält das Publikum eine Reise in die düstere Kriegslandschaft auf Erden genauso wie eine Reise in intergalaktische Dimensionen. Eine Reise zu den Sternen, mitten hinein in die Stille und ins Herz. Allgegenwärtig sind dabei die Bilder und Filme, die vor einem ablaufen, wenn das Trio in die Tasten greift. Bilder und Filme, die im TV gezeigt werden. Flugzeuggedröhn, Maschinengewehrsalven, marschierende Soldaten inklusive Militärorchester. Janusz Wojtarowicz: "Chechnya – Sounds of War" war in 30 Minuten fertig. Wir waren ein bisschen betrunken, saßen vor dem TV-Gerät und sahen diese Kriegsbilder aus Tschetschenien. Wir stellten den Ton ab, griffen zu unseren Akkordeons und spielten zu den Bildern."
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